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Die digitale Bearbeitung der Bilder nimmt dabei einen übergeordneten Stellenwert ein. Aus der Entfernung betrachtet, wirken die Arbeiten wie gewöhnliche Fotografien, zumal sie auf fotografischem Papier ausbelichtet sind. Erst auf den zweiten Blick wird klar, dass das Bild einer intensiven Retusche unterzogen worden ist. Die fotografische Körnung ist einer Art 'digitaler Pinselstrich' gewichen, der zwar virtuell vorhanden ist, jedoch nicht in Form von tastbarer, greifbarer Textur.
In der Werbung wird Retusche vor allem zur Optimierung und Idealisierung angewendet. Hier erscheint sie in überhöhter Form. Durch die Übertreibung wird sie zum künstlerischen Stil, zu einer Handschrift, die aber tatsächlich keine ist. Die prinzipielle Authentizität fotografischer Realitätsbezeugung wird damit genauso hinterfragt wie der subjektive Ausdruck, den man sich von Malerei erwartet.
a.e.
“Denn gerade dass hier mit den klassischen Kontrahenten Fotografie und Malerei gespielt wird, lässt beider Bezug zu der sogenannten Wirklichkeit in den Vordergrund treten. Welche der beiden Künste ist der Wirklichkeit näher oder aufrichtiger, welche zeigt ein authentischeres Bild von dem, was ist? Ist es die Fotografie mit ihrer angeblich so gnadenlos objektiven Optik oder ist es der subjektive Blick, eingefroren in der Geste des Produzierenden? Dieser Dualismus zwischen Subjektiv und Objektiv ist es, der in Karadimas Bildern den totalitären Anspruch der allgemein für gültig angenommenen Wirklichkeit aufsprengt. Eine Antwort auf die Frage, was denn nun eigentlich Wirklichkeit ist, bietet Karadimas natürlich nicht. Das war wohl auch nicht ihr Ziel. Dafür verweisen ihre Arbeiten auf die Fragilität unseres Wirklichkeitsbegriffes.”
Alescha Birkenholz und Nina Zimmer
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