infoenglish

arbeitenbiografie
ausstellungen

 

beijing interview analog vs digitalsexy heldendigitale malerei


Sexy Helden starke Action
Ein Text von Sabine Hübner anlässlich der gleichnamigen
Ausstellung in der BrotfabrikGalerie, 2006

Die Galerie der Weißenseer Brotfabrik liegt idyllisch hinter Bäumen und Innenhof versteckt – und wirkt klein, fast winzig, wenn man sie betritt. Vielleicht nicht der richtige Rahmen für die großformatige Fotografie von Petra Karadimas, könnte man meinen. Doch bekanntermaßen täuscht der erste Eindruck gern. Tatsächlich unterstützt die unprätentiöse Präsentation den schwergewichtigen Eindruck der Arbeiten: intensive Farben, massive, fast überdimensionierte Formen.

Überrascht nimmt der Besucher zur Kenntnis, dass er schon länger ein Bild mit dem unscheinbaren Titel „Rote Blumen“ betrachtet, ein Parkausschnitt unweit der Galerie gelegen, aufgenommen wohl an einem schönen Frühsommertag.

Petra Karadimas´ Meisterschaft besteht darin, Alltagssituationen spannend und auf irreale Weise anziehend abzubilden. Ihre Sujets sind auffällig banal: Hochhäuser, Bauzäune, Graffitis, Hügelchen und – Büsche. Gelegentlich fotografiert sie auch Menschen. Im Park, an Haltestellen oder als Arbeiter auf dem Bau. Situationen, die uns täglich begegnen. Die wir sehen. Und natürlich doch nicht gesehen haben. Karadimas´ erstaunliche Fotografie hilft da ein wenig auf die Sprünge. Im Vergleich zu New York, wo sie studiert hat, erklärt sie uns unsere Stadt: „Berlin ist genauso spannend, gibt aber seine Schätze nicht so leicht preis. Die Uhren ticken langsamer und man muss sehr fokussiert sein.“ Ihre Motive findet sie in der unmittelbaren Umgebung. „Ich schaue mir immer wieder die gleichen Dinge an, ändere aber meine Perspektiven. Berlin ist im Umbruch. Im Straßenbild finden sich deshalb besonders viele Brüche, was auch mein eigentliches Thema ist.“

Brüche und Ambivalenzen. Beschreibungen, die sie oft bemüht. So ist auch ihre besondere Arbeitsweise entstanden: eine digitale Nachbearbeitung ihrer Fotos, die das fotografische Korn, also die ursprüngliche Schärfe, mit etwas Malerischem, auch Retuschierendem ersetzt. Sie nennt es den „digitalen Pinselstrich“, ein Stilmittel, das wirklich den Effekt von Malerei erzeugt. „Was mich hier interessiert, ist die Ambivalenz“, erläutert sie. Und scheint durchaus die Irritation zu genießen, die ihre Bilder auslösen. Ebenso wenig wie es sich um klassische Fotografie oder Malerei handelt, sind die Studien so beiläufig aufgenommen, wie man es vermuten könnte. Beyonces Monalisalächeln auf einem Falten schlagenden Plakat am Holzzaun zu entdecken und fast wie eine Inszenierung festzuhalten – dazu gehören Raffinesse und ein geübter Kennerblick.

Den etwas merkwürdig anmutenden Titel ihrer Ausstellung „Sexy Helden starke Action“ hat Petra Karadimas übrigens auch der Umwelt entliehen: „Es handelt sich um eine Schlagzeile der Zeitschrift TV Spielfilm, die als Plakat auf einem Bauzaun prangt. Ich fand den Titel sehr bezeichnend. Er ist Teil des urbanen Codes. Man wird überflutet von diesen Nachrichten, beachtet sie aber kaum. Es ist wie ein Versprechen, das nicht eingelöst wird.“